Wissenschaft Eilmeldung

Studie: Inkognito-Modus schützt nicht vor Mitbewohner

Bad Reibach (hwx) – Es ist ein Schock für Millionen Deutsche: Wie eine neue Langzeitstudie des Instituts für Angewandte Diskretion (IfAD) belegt, bietet der sogenannte Inkognito-Modus gängiger Webbrowser keinerlei Schutz vor Mitbewohnern, Eltern oder Partnern, die ohne anzuklopfen ins Zimmer kommen.

Von Hand-Jürgen Schubert, Ressort Wissenschaft Lesezeit: 4 Min. (mit Unterbrechungen: 11 Min.)

Symbolbild: Der Inkognito-Modus (vorne) im Ernstfall. Illustration: IfAD

Für die Untersuchung beobachteten die Forschenden drei Jahre lang insgesamt 4.812 Wohngemeinschaften, Studentenbuden und Einliegerwohnungen. Das Ergebnis ist eindeutig: In keinem einzigen Fall hat das kleine Symbol mit Hut und Sonnenbrille verhindert, dass sich eine Tür öffnete.

„Wir waren selbst überrascht“, sagt Studienleiterin Prof. Dr. Ursula Handke. „Der Inkognito-Modus sorgt dafür, dass der Browser vergisst, was Sie getan haben. Ihr Mitbewohner Kevin hat diese Funktion leider nicht. Kevin vergisst nichts. Kevin erzählt es beim nächsten WG-Abend.“

97 Prozent überschätzen den Mann mit Hut

Besonders alarmierend: 97,3 Prozent der Befragten gaben an, sie hätten geglaubt, der Inkognito-Modus mache sie „irgendwie unsichtbar“. Weitere 41 Prozent hielten das Symbol für eine Art Bodyguard.

„Der Mann mit Hut und Brille ist kein Personenschützer“, stellt der IT-Sicherheitsexperte Holger Schüttler klar. „Er ist eher der Typ, der mit Ihnen im Zimmer steht und einfach nur zuguckt. Er hilft Ihnen nicht. Er hat noch nie jemandem geholfen.“

„Viele verwechseln Inkognito mit einem Unsichtbarkeitsumhang. Das ist ungefähr so, als würde man sich die Augen zuhalten und glauben, man sei weg.“

Holger Schüttler, IT-Sicherheitsexperte und Besitzer eines sehr zuverlässigen Türstoppers
Wovor schützt der Inkognito-Modus?
  • Gespeicherter Verlauf100 %
  • Cookies nach dem Schließen94 %
  • WLAN-Admin im Büro0 %
  • Mitbewohner Kevin0 %
  • Mutter mit Wäschekorb0 %
  • Die Katze (sieht alles)0 %

Quelle: IfAD-Langzeitstudie 2023–2026, n = 4.812 Türen

0,4 Sekunden bis Alt+Tab

Die Studie liefert auch neue Erkenntnisse zur menschlichen Reaktionsfähigkeit. Zwischen dem ersten Quietschen der Türklinke und dem Drücken von Alt+Tab vergehen im Schnitt nur 0,4 Sekunden. Das ist schneller als jeder Boxenstopp in der Formel 1. Trotzdem reichte die Zeit in 88 Prozent der Fälle nicht aus.

„Das Problem ist nicht die Hand“, erklärt Handke. „Die Hand ist erstaunlich gut trainiert. Das Problem ist der Gesichtsausdruck.“

0,4 svon Türklinke bis Alt+Tab
41 %öffneten reflexartig eine Tabelle, obwohl sie gar kein Tabellenprogramm haben
68 %haben „nur was für die Uni recherchiert“
1von 4.812 Türen war abgeschlossen. Es war die falsche.

Für die 41 Prozent haben wir übrigens vorgesorgt: Unten links auf dieser Seite gibt es ab sofort einen Panik-Knopf.

Mitbewohner berichten von Spätfolgen

Auch auf der anderen Seite der Tür hinterlässt das Phänomen Spuren. Kevin P. (24), Soziologiestudent aus Castrop-Rauxel, der namentlich nicht genannt werden möchte, erinnert sich: „Ich wollte nur fragen, ob er noch Hafermilch hat. Seitdem reden wir nur noch über Hafermilch. Sehr viel über Hafermilch. Wir haben inzwischen elf Packungen.“

Eine Mutter aus dem Sauerland (61), deren Sohn (34) nach einer Trennung vorübergehend wieder in sein altes Zimmer gezogen ist, hat eigene Konsequenzen gezogen: „Ich klopfe jetzt dreimal und zähle dann bis zehn. Früher habe ich nur bis drei gezählt. Das war ein Fehler, über den wir beim Abendessen bis heute nicht sprechen.“

Das empfehlen die Forschenden

  • Physische Zwei-Faktor-Authentifizierung: Schlüssel umdrehen und einen Stuhl unter die Klinke klemmen.
  • Das Klopf-Protokoll IfAD-7: dreimal klopfen, 30 Sekunden warten, laut „Alles gut bei dir?“ rufen, weitere 30 Sekunden warten.
  • Kopfhörer meiden: Sie senken das Risiko, erwischt zu werden, um exakt 0 Prozent. Sie erhöhen nur das Risiko, es nicht mitzubekommen.
  • Einen Alibi-Tab offen halten: idealerweise etwas Unverdächtiges wie „Wetter Bad Reibach“ oder „Steuererklärung für Anfänger“.

Industrie arbeitet an einer Lösung

Erste Browserhersteller haben bereits reagiert. In Entwicklung ist ein Add-on namens „Flurfunk“, das per Mikrofon Schritte im Flur erkennt und automatisch die 14-Tage-Wettervorhersage für Castrop-Rauxel öffnet. In ersten Tests erwies sich die Software allerdings als unzuverlässig: Sie schlug bei der Katze an und verschlief den Vermieter.

Das IfAD will seine Forschung nun ausweiten. Im Herbst startet eine Folgestudie mit dem Titel „Schützt der Satz ‚Moment, bin gleich fertig!‘ vor irgendetwas?“. Erste Zwischenergebnisse deuten auf: nein.

Leserkommentare (3)

  1. Horst_1962vor 2 Std.

    Bei mir hat der Inkognito-Modus immer zuverlässig funktioniert. Ich wohne allerdings allein. Seit 1994.

  2. kevin_wg_castropvor 1 Std.

    Ich möchte klarstellen, dass ich mit diesem Artikel nichts zu tun habe. Braucht jemand Hafermilch? Ich hab elf Packungen.

  3. Mama_aus_dem_Sauerlandvor 12 Min.

    Junge, ruf mal wieder an. Und schließ ab.

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